Unternehmensbewertung

Eine Unternehmensbewertung wird meist dann durchgeführt, wenn sich die Eigentumsverhältnisse  eines Unternehmens verändern, beispielsweise wenn der Eigentümer seinen Betrieb veräußert, einen neuen Gesellschafter aufnimmt oder wenn ein Unternehmen an die Börse geht. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Anlässe, den Wert eines Unternehmens zu ermitteln wie etwa steuerliche oder strategische Beweggründe innerhalb von Konzernen oder Beteiligungsgesellschaften.Für die Wertermittlung der Unternehmen gibt es vier gängige Verfahren, die je nach Situation des Unternehmens und Zweck der Bewertung eingesetzt werden können.

Multiple-Verfahren

Das Multiple-Verfahren ist relativ einfach durchzuführen und in den meisten Fällen auch mit öffentlich zugänglichen Finanzinformationen zum Unternehmen durchführbar. Hierbei geht man davon aus, dass das Unternehmen genauso werthaltig ist wie vergleichbare Firmen. Aus historisch bekannten Unternehmenstransaktionen überträgt man die bezahlten Kaufpreise in Relation zum Umsatz oder EBIT auf das zu bewertende Unternehmen. Lagen die Kaufpreise bisher z.B. beim 5-fachen des Ebit, wird dieser Multiplikator (Multiple) auch auf dieses Unternehmen angewandt.

Substanzwertverfahren

Hierbei wird das Unternehmen demnach bewertet, wie werthaltig seine Substanz ist. Das ist insbesondere dann sinnvoll, wenn das Unternehmen wenig Ertrag im Verhältnis zum eingesetzten Kapital erwirtschaftet. Bei niedrigen Gewinnen kann die Unternehmensbewertung mit dem Ebit-Mutliple oder Ertragswertverfahren geringer ausfallen, als was die Substanz – z.B. Immobilien, Lager, Finanzmittel, Beteiligungen – im Unternehmen bereits wert ist. Bei der Anwendung des Substanzwertverfahrens werden alle Werte ermittelt, die das Unternehmen besitzt, und den bestehenden Verbindlichkeiten gegenüber gestellt. Der Betrag, um den die Werte die Verbindlichkeiten übersteigen, ist der Substanzwert.

Ertragswertverfahren

Das Ertragswertverfahren ist eine zukunftsorientierte Unternehmensbewertungsmethode. Es basiert auf der Planung des Unternehmens für die nächsten drei bis fünf Jahre. Meist wird hier die Discounted-Cash-Flow (DCF) Methode angewandt. Sie addiert den zu erwartenden Cash Flow und zinst sie auf den heutigen finanziellen wert ab (discount). Dieses Verfahren ist relativ komplex, da es neben der Abzinsung aus unterschiedlichen Perioden auch die Eigen- und Fremtkapitalkosten (WACC) und einen Risikofaktor mit einkalkuliert, der die Situation des Unternehmens widerspiegeln soll.

Venture Capital Verfahren

Dieses Unternehmensbewertungsverfahren wird in der Regel bei Startups angewandt. Damit können Unternehmen bewertet werden, die keinerlei brauchbare Daten für die anderen Bewertungsmethoden liefern. Es ist eine reine Rentabilitätsrechnung wobei der Käufer bzw. Investor vom geschätzten zukünftigen (Veräußerungs-)Wert des Unternehmens ausgeht und anhand der gewünschten Rendite diesen auf den heutigen Wert zurückrechnet.